18. Januar 2026
24 Jahre SEO - und wir machen immer noch die gleichen Fehler
Original auf LinkedIn ansehenWichtigste Erkenntnisse
- Keyword-Stuffing, technische Ignoranz und Ungeduld sind seit 20 Jahren die gleichen SEO-Fehler – nur die Verpackung ändert sich.
- SEO ist zu 80% Psychologie: Wir lieben Abkürzungen, aber die Grundlagen (Technik, Content, Geduld) sind unkaputtbar.
- Tools sind wie Hämmer – ohne zu wissen, wo der Nagel ist, haut man sich nur auf den Daumen.
Ich mache jetzt seit über 24 Jahren SEO. Wenn ich das laut sage, fühle ich mich manchmal wie ein digitaler Dinosaurier. Ich habe gesehen, wie Google geboren wurde, wie AltaVista unterging und wie wir alle dachten, dass Meta-Keywords der heilige Gral sind. Und wisst ihr was? Die Fehler, die ich 2002 gesehen habe, sehe ich 2026 immer noch. Nur die Tools sind schicker, die Grafiken bunter und die Ausreden kreativer geworden.
Es ist faszinierend und erschreckend zugleich. Wir haben heute Rechenpower in der Tasche, die NASA-Computer vor 30 Jahren vor Scham hätte erröten lassen, aber wir stolpern immer noch über die gleichen banalen Steine wie damals.
Die Klassiker: Warum wir immer wieder in die gleiche Falle tappen

Lass uns mal tief in die Mottenkiste der SEO-Fehler greifen. Diese “Dauerbrenner” sind wie die Refrains von schlechten 80er-Jahre-Hits: Man kriegt sie einfach nicht aus dem Kopf (und nicht aus der Website).
1. Keyword-Stuffing 2.0 (Der AI-Mantel)
Früher war es primitiv: “Schuhe kaufen Schuhe online Schuhe günstig Schuhe Berlin”. Wir haben das weiß auf weißem Grund in den Footer geklatscht. Google hat uns dafür irgendwann (zu Recht) den Stecker gezogen. Heute sehe ich das gleiche Problem, nur “eleganter” verpackt. Leute lassen sich von ChatGPT Texte schreiben, in denen das Fokus-Keyword alle zwei Sätze auftaucht, weil der Prompt hieß: “Schreib mir einen SEO-optimierten Text für XY”. Das Ergebnis ist unleserlicher Datensalat, der weder dem Nutzer noch der KI gefällt. LLMs (Large Language Models) sind heute extrem gut darin, Semantik zu verstehen. Sie merken, wenn du versuchst, sie zu füttern.
2. Technik als “lästiges Beiboot”
“Jörg, der Content ist doch Weltklasse, wir haben sogar ein Interview mit dem Papst!” – Ja, schön und gut. Aber wenn deine Seite 8 Sekunden braucht, um das Bild vom Papst zu laden, ist er schon längst weitergesurft. Die Ignoranz gegenüber der technischen Basis ist ein Phänomen, das ich seit 20 Jahren bekämpfe. Früher waren es fehlerhafte Flash-Animationen, heute sind es überladene JavaScript-Frameworks und Bilder, die direkt aus der 100-Megapixel-Kamera ins Netz gehen. Ein schlechtes technisches Fundament macht jeden noch so guten Content zunichte.
3. Die “Sofort-Reich-Falle” (Geduld ist ein Fremdwort)
SEO braucht Zeit. Das war 2002 so und das ist 2026 immer noch so. Google ist kein Lichtschalter, sondern eher wie ein guter Wein oder ein Sparplan: Man muss kontinuierlich einzahlen, damit es hinten raus knallt. Wenn mir heute jemand im Erstgespräch sagt: “Wir brauchen Ergebnisse in 4 Wochen”, dann antworte ich: “Dann schalte Ads. Aber SEO ist der falsche Weg für dich.” Wer die 6 Monate Mindestlaufzeit nicht im Kopf hat, wird im SEO niemals glücklich.
Der menschliche Faktor: Warum SEO eigentlich Psychologie ist
Warum machen wir diese Fehler? Weil wir Menschen Abkürzungen lieben. Wir wollen den schnellen Erfolg, den geheimen “Hack”, die Wunderwaffe.
In meiner SEO-Sprechstunde merke ich oft, dass es gar nicht am Wissen mangelt. Die Leute wissen oft, was zu tun wäre. Aber sie lassen sich von Trends blenden. Sie lesen “KI ist alles” und vergessen dabei, dass am anderen Ende immer noch ein Mensch sitzt, der ein Problem gelöst haben will.
Die “Tool-Gläubigkeit”
Ein weiterer Fehler, den ich immer wieder sehe: Man kauft sich das teuerste SEO-Tool (Sistrix, Ahrefs, Semrush – egal welches) und glaubt, damit sei das Problem gelöst. Ein Tool ist wie ein Hammer. Wenn du nicht weißt, wo der Nagel ist, haust du dir nur auf den Daumen. Viele Kunden zeigen mir stolz ihre Dashboards mit bunten Linien, können mir aber nicht sagen, was diese Linien für ihr Business bedeuten.
Was die Community dazu sagt
Als ich dieses Thema neulich auf LinkedIn und im SEOpresso Podcast angeschnitten habe, war das Echo gewaltig. Über 35 Reaktionen und eine hitzige Kommentarspalte haben gezeigt: Ich bin nicht allein mit diesem Frust.
Ein Kollege brachte es auf den Punkt: “Jörg, das Problem ist, dass viele SEO als IT-Projekt sehen. Aber SEO ist Markenaufbau mit technischen Hilfsmitteln.” Dem ist wenig hinzuzufügen.
Mein Fazit nach einem Vierteljahrhundert im Game
Wenn ich eines gelernt habe in den letzten 24 Jahren, dann ist es das: Die Grundlagen sind unkaputtbar.
- Bau eine Seite, die technisch flutscht (PageSpeed!).
- Schreibe Texte, die Menschen wirklich helfen (Helpful Content).
- Sorge dafür, dass andere Kapazitäten dein Wissen schätzen (Reputation/Autorität).
- Bleib geduldig und hör auf, nach dem “einen geheimen Trick” zu suchen.

Wer das beherrscht, ist 90% seiner Konkurrenz voraus – egal ob 2002, 2026 oder 2040.
Woran scheitert es bei euch am häufigsten? An der Technik, am Content oder an der Geduld? Schreibt mir auf LinkedIn – ich bin gespannt, ob ihr auch noch Fehler aus der “guten alten Zeit” entdeckt.